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Medizinische Versorgung von Menschen mit rheumatischen Erkrankungen in Deutschland

Häufige Irrtümer bei der Diagnostik und Therapie von Kollagenosen und anderen rheumatischen Erkrankungen
Aktueller Stand der Medizin


Lupus erythematodes:
Blutsenkung als einziger Parameter der Krankheitsaktivität.

Derzeit gibt es keine wirklich validen (=gültigen) Parameter der Krankheitsaktivität bei Lupus erythematodes. Die Höhe der Blutsenkung zeigt nur eine mäßige Beziehung zur Krankheitsaktivität.

Bei Müdigkeit und Gelenkschmerzen vorübergehend Kortison, keine Basistherapie.
Basistherapie mit Azathioprin erst bei Nierenbeteiligung.

Mit einer Basistherapie sollte so früh wie möglich begonnen werden.
Dass Azathioprin gegen Müdigkeit und Leistungsschwäche hilft, ist nicht bekannt. Die Wirkung von Azathioprin u. a. besonders gegen Müdigkeit und Leistungsschwäche ist gut dokumentiert.
Internistischer Rheumatologe, 2000



Morbus Bechterew:
Eine Betroffene erkrankte wahrscheinlich bereits als junges Mädchen an Morbus Bechterew. Im Alter von elf Jahren bekam sie Beschwerden in den Füßen. Mit etwa 17 Jahren wurden ihre Knie dick und sie verspürte ischiasartige Schmerzen im Rücken. Mit etwa 19 Jahren erkrankte sie an einer Regenbogenhautentzündung. Im Alter von 30 Jahren wurde die Diagnose "Morbus Bechterew" gestellt. Bald darauf begann sie mit regelmäßiger intensiver Krankengymnastik (Wasser- und Trockengymnastik) und war bis zum Alter von etwa 49 Jahren phasenweise schmerzfrei. Heute mit 52 Jahren geht sie aufrecht und für den Laien ist höchstens ein leichter Rundrücken zu erkennen.

Während eines Kuraufenthalts vor neun Jahren meinte der behandelnde Arzt zu der Betroffenen: "Einen Bechterew haben Sie mit großer Wahrscheinlichkeit nicht, denn laut Lehrbuch verläuft die Krankheit anders."

Etwa 40 Prozent der Morbus-Bechterew-Betroffenen sind Frauen. Der Krankheitsverlauf ist bei Frauen oft weniger dramatisch als bei Männern, das heißt, die Versteifung und Krümmung der Wirbelsäule vollzieht sich langsamer und ist vom Ausmaß her geringer.



Keine Diagnose:
Eine 75-jährige Frau klagt seit Jahren über Beschwerden wie wechselnde Gelenkschmerzen, Herzbeschwerden, Atemnot und weitere gesundheitliche Probleme wie trockene Augen und Bindehautentzündungen. Wiederholt besserten sich die Beschwerden nach Kortisoneinnahme. Neuerdings traten rötliche Hautauschläge auf. Die Patientin bat ihren Hausarzt darum, auf SLE hin untersucht zu werden (SLE = systemischer Lupus erythematodes).
Bei den bisherigen Blutuntersuchungen fanden sich folgende Auffälligkeiten (Ausschnitt):
BSG 34/60,
Neutrophile 42.1 (50-75), Monozyten 17,7 (< 14),
Elektrophorese: Albumin 56.9% (58-70), Alpha-2-Globulin 10.4% (5-10), Beta-Globulin 14.6% (8-13),
ANA 1:80 (<1:160), (feingesprenkeltes Muster mit positiven Mitosen),
IgA 522 (70-400),
Immunelektrophorese:
Ansatz: Standardansatz des unverdünnten Patientenserums mit polyvaltentem Antiserum gegen IgG, IgA, IgM, Kappa und Lambda.
Befundbeschreibung: In den Ansätzen gegen schwere und leichte Ketten sind keine qualitativen Veränderungen feststelltbar. Das Immunglobulin der Klasse IgA erscheint gegenüber der Norm verstärkt.
Ärztliche Begutachtung: Polyklonale Immunglobulinvermehrung. Kein Anhalt für monoklonale Paraproteine im Serum. Polyklonale Gammaglobulinerhöhungen finden sich im Spätstadium akuter Entzündungen, bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen, Kollagenosen und malignen Tumoren.

Der Arzt lehnte eine Untersuchung auf SLE ab mit der Begründung: "Wenn Sie SLE hätten, wären Ihre Nieren längst kaputt!"

Internistischer Hausarzt, 2000

Was auch immer bei der Patientin für eine Erkrankung vorliegt:
SLE führt nicht zwangsläufig zu Nierenfunktionsstörungen.



(Wird fortgesetzt.)



Hier finden Sie Erläuterungen medizinischer Fachbegriffe:

Hessenweb - Medizinisches Wörterbuch http://www.hessenweb-kreation.de/medwort/index-lexmed.htm

Kompetenznetz Rheuma - Rheumalexikon http://www.rheumanet.org/content/m4/k1/k11/index.aspxx




(Diese Seite wurde am 23.2.2008 aktualisiert.)


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